Kanaleo-Analyse: Die bevorzugten Recruitingkanäle von Frauen und Männer

Mittwoch, 21. November 2018, 10:56 Uhr
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Wir haben mit Kanaleo nach Unterschieden in der Nutzung von Medientypen (Recruitingkanälen) bei Männern und Frauen gesucht. Unsere Auswertung bezieht sich auf über 11000 Umfrageteilnehmer, die sich in den letzten 365 Tagen bei 195 unserer teilnehmenden Unternehmen bewarben und parallel dazu den Kanaleo-Umfragebogen ausfüllten. Das haben wir herausgefunden! 

So wird die Graphik gelesen:

Kanaleo listet die häufigsten genannten Wege, die ein Bewerber zu seinem potentiell neuen Arbeitgeber (und zum Kanaleo-Fragebogen) geführt haben. Die Graphik zeigt die relative Häufigkeit von Männern, Frauen und Diversen je Medientyp. Zusammenaddiert ergeben die Werte immer 100%. D.h. beispielhaft, wenn 1000 Umfrageteilnehmer die Arbeitsagentur als ihr Medium, das sie auf das Stellenangebot und das Unternehmen aufmerksam machte, nannten, dann sind davon 441 weiblich und 592 männlich. Im Schnitt sind 35% der gesamten Kanaleo-Umfrageteilnehmer weiblich. 

Männer suchen branchenspezifisch, Frauen suchen indirekt

Wäre die Verteilung der Geschlechter jeweils 50%, ergäbe sich ein interessantes Bild. Offenbar präferieren Frauen eine persönliche Ansprache, die üblicherweise durch Active Sourcing, Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programme und Empfehlungen durch Familie und Verwandschaft realisiert werden. Ein weiterer interessanter Punkt ist die hohe Nennung von Indeed als Recruitingkanal bei Frauen. Indeed ist eine Metajobbörse, die bereits anderswo veröffentlichte Stellenanzeigen aggregiert und auf diese Weise einen Stellenmarktüberblick erlaubt.   

Es scheint, dass Frauen eher dazu tendieren sich auf indirektem Wege über neue Stellenangebote und Unternehmen zu informieren. Sowohl die häufigeren Nennungen von Recruitingkanälen mit persönlicher Ansprache, als auch die Präferenz von Indeed deuten darauf hin, dass nicht gezielt innerhalb einer Branche gesucht wird und auch nicht gezielt Anbieter konsultiert werden, die über spezielle Fachkräftemärkte informieren. 

Die proportional höhere Nennungen der Medientypen Empfehlungsbund, Personalvermittler, Freunde und Bekannte, Mentoren und Messenbei Männer scheinen unsere Vermutung zu bestätigen. Wir selbst gründen branchenspezifische Arbeitgebercommunitys. Ebenso sind erfolgreiche Personalvermittler auf Branchen spezialisiert. Ein gewinnbringender Besuch einer Karrieremesse setzt voraus, dass man sich mit seinen Wunschunternehmen, die man auf der Messe besuchen möchte, im Vorfeld beschäftigt hat. Das gilt auch für das Informieren über Jobmöglichkeiten durch Social Media Auftritte, die ebenfalls relativ häufig genannt wurden.  

Ergebnis: Das Suchverhalten passt sich dem Berufswunsch an

Was sagt uns das alles? Alles in Allem gibt die Auswertung keinen Hinweis auf signifikante Unterschiede im Bewerberverhalten zwischen Männer und Frauen. Dafür variieren die Nennungen nicht stark genug (mit einer Ausnahme: Indeed). Die oben erwähnten Tendenzen können etwas über leichte Unterschiede im Bewerberverhalten zwischen Mann und Frau aussagen, sofern wir davon ausgehen, dass sich Männer eher in Hinblick auf einen bestimmten Wirtschaftszweig oder gar ein bestimmtes Unternehmen innerhalb einer Wunschbranche informieren. Schließlich bieten die von Männern tendenziell präferierten Medientypen allesamt Informationen über Jobangebote, die vom jeweiligen Wirtschaftszweig, in dem das Unternehmen tätig ist, bereits vorkategorisiert wurden. Diese Vorkategorisierung zeichnet sich bereits in der Ausbildung ab. Im Umkehrschluss scheint die Suchstrategie von Frauen angemessen für Berufe, die nicht unmittelbar einem Wirtschaftszweig zuzuordnen sind. Ein Beispiel für solch ein Berufbild ist der Personalmanager, der wesentlich häufiger von Frauen als von Männer ausgeübt wird. Allerdings sind Human Resources in jedem mittleren und großen Unternehmen jeder Branche vertreten. 

Ergo: Es sieht ganz danach aus als hätte der Unterschied im Suchverhalten zwischen Mann und Frau mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit dem Geschlecht zutun, sondern mit der Berufswahl, die jeweils andere Suchstrategien erforderlich machen



Dieser Blogbeitrag erschien erstmals auf empfehlungsbund.de.