Das Wichtigste zu Dezentralen autonomen Organisationen (DAO)

Mittwoch, 21. September 2022, 09:00 Uhr

Kristina Huse, Werkstudentin im Blockchain Solutions Center
Tobias Jung, Product Owner im Blockchain Solutions Center

Dezentrale autonome Organisationen – kurz: DAO stellen den Versuch dar, neue Formen der Organisation und Zusammenarbeit in der Welt der Blockchains und Kryptowährungen zu schaffen. Eine DAO kann man sich zum besseren Verständnis als dezentrale Gemeinschaft vorstellen, bei welcher die Teilnehmer*innen innerhalb der Blockchain durch einen gemeinsamen Satz an Regeln koordiniert sind.

Das Regelwerk einer DAO ist in Form von Smart Contracts festgelegt und wird direkt auf der Blockchain durchgesetzt. Smart Contracts sind intelligente Verträge, welche die Abläufe im Geschäftsleben durch „Wenn-Dann-Beziehungen“ automatisieren und damit effizienter gestalten. Das Regelwerk der DAO ist transparent und für jeden Teilnehmenden der DAO einsehbar.

Damit lösen Smart Contracts die Vertrauensproblematik bei DAOs. Bei traditionellen Unternehmen muss der Teilnehmende bzw. Mitarbeitende der Führungskraft vertrauen. Beispielsweise, dass Lohn ausgezahlt wird oder die Führungskraft das Unternehmen verantwortungsvoll führt. Die Teilnehmer*innen einer DAO sind unbekannte Personen, die überall auf der Welt verstreut sein können. Nach dem Prinzip „Code is Law“ wird das Vertrauen in die DAO durch den Smart Contract umgesetzt. Änderungen am Smart Contract und damit am Regelwerk der DAO sind nur möglich, wenn sich die Mehrheit der Teilnehmer*innen dafür ausspricht.

Smart Contracts stellen auch die Grundlage, um die weiteren Merkmale einer DAO zu erfüllen: Dezentralität und Autonomie. Die Dezentralität in einer DAO meint die Entscheidungsfindung einer Organisation im Konsens der Mitglieder, welche unabhängig von einem zentralen Ort (Geschäftssitz) oder einer zentralen Führung erfolgt. Als autonome Organisation besitzt eine DAO die Fähigkeit, aus sich selbst heraus zu agieren und unabhängig von einzelnen internen oder externen Akteuren zu sein.

Wie DAOs angewendet werden

Zu den bekanntesten Typen von DAOs zählen Protokoll-, Investment-, Grant- und Collector-DAOs.

Bei den Protokoll-DAOs werden Governance-Mechanismen verwendet, um die zugrunde liegende Plattform weiterzuentwickeln sowie dezentraler und fairer gestalten zu können. Die einfachste Umsetzungsform von Governance ist in Form eines Tokenvote. Dabei sind alle Tokenbesitzer stimmberechtigt. Komplexer werden Duale Governance Mechanismen, wie sie beispielsweise bei der Liquid Staking Plattform LIDO zu sehen sind. Durch diesen Governance Mechanismus wird eine Art „Checks and Balances“ System eingeführt, bei welchem nicht nur die LIDO-Tokenbesitzer an der Governance teilnehmen können, sondern auch die Besitzer der gestakten Ethereum-Token ein Mitspracherecht an der technischen Entwicklung des Protokolls haben. Auch andere Protokolle wie Q oder Optimism arbeiten an Möglichkeiten, die Governance demokratischer und sicherer zu gestalten.

Die anderen drei Anwendungstypen werden dem Finanzierungskontext zugerechnet. Dabei sind Investment-DAOs am ehesten mit einem klassischen Investmentfond vergleichbar, bei welchem die Inhaber über die Nutzung des eingesammelten Kapitals entscheidet. Grant-DAOs werden gern zur Finanzierung innovativer Projekte, besonders im Decentralized Finance (DeFi) Bereich, verwendet. Ein Kontrast zu diesen Arten stellen die Collector-DAOs dar, die statt Unternehmensanteilen hauptsächlich Kunstwerke oder Musik erwerben.

Sicherheitsrisiken von DAOs

An dieser Stelle sei limitierend gesagt, dass DAOs zu diesem Zeitpunkt keineswegs eine perfekte Lösung darstellen. Es gibt verschieden Ansätze, um DAO Strukturen demokratisch, sicher und dezentral zu gestalten. Ein Fehler im Code des zugrunde liegenden Smart Contracts kann dennoch fatale Konsequenzen mit sich bringen, wie sich am Beispiel der „The DAO“ zeigt. Netzwerkteilnehmende fanden 2016 einen Fehler im Code, der es Ihnen ermöglichte, große Mengen an Geld zu stehlen. Bei „The DAO“ handelte es sich um das erste derartige Projekt, so dass man heute sagen kann, dass aus den Anfangsfehlern gelernt wurde. Ein bekanntes und erfolgreiches Beispiel einer DAO ist die MakerDAO. Dabei handelt es sich um eine dezentrale Kreditplattform, mit Krypto-Vermögenswerten als Sicherheit. Nutzer*innen erhalten Kredite in der Form des eigenen Stablecoins DAI, der durch den US-Dollar gesichert wird.

Vor- und Nachteile von DAOs im Überblick
  • Transparenz: alle Transaktionen sind öffentlich und für jedes Mitglied einsehbar, wodurch sich das Risiko für Korruption reduzieren lässt
  • Globale Zugänglichkeit zu DAO-Projekten
  • Niedrige Eintrittsbarrieren stärken globale Chancengleichheit
  • Code und Sicherheitslücken können nur nach Abstimmung aller Beteiligten bereinigt werden
  • Keine einheitlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen
  • Kein physischer Sitz, womit der rechtliche Rückhalt und Ansprechpartner für Betroffene unklar ist
  • Aktuell noch mangelndes Verständnis von Aufsichtsbehörden und Steuerämtern, was Einfluss auf die Aufstellen einer DAO hat

Mehr Blogbeiträge und Informationen über das Thema Blockchain findet Sie hier:

> Blockchain-Konsensmechanismen im Vergleich

> Staking Guide

> Ethereum – The „Merge“ & der Weg vor uns

> Staking Service: Validation as a Service Solutions

Gastautorin:
Kristina Huse, Werkstudentin im Blockchain Solution Center

Kristina Huse ist Werkstudentin im Blockchain Solution Center der T-Systems MMS und unterstützt das Vaas Team (Validation as a Service) mit der Recherche und Aufbereitung von Staking Themen.

Ansprechpartner:
Tobias Jung, Product Owner im Staking Bereich

Tobias Jung ist Product Owner im Staking Bereich, im Blockchain Solution Center der T-Systems MMS, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Dort baut er Infrastruktur für öffentliche Blockchain-Netzwerke auf. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Tech-Software-Startups. Tobias schloss sein Studium an der Universität Lund mit einem MSC in Betriebswirtschaftslehre ab. Er engagiert sich bereits seit Jahren im Kryptoraum.

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